Springe zum Inhalt

Der Maulkorb – Das verkannte Wesen

von Linda Nolden 

Wenn es um die Absicherung eines Hundes oder um die Einschätzung seines Sozialverhaltens geht, ist der Maulkorb ein wichtiges Hilfsmittel.

IMG_0185Und auch im Anti-Giftköder-Training kann der Maulkorb hervorragend eingesetzt werden. Alles in allem wird der er als ‚Retter in der Not‘ unterschätzt.

Aber von Anfang an:

Der Maulkorb diente in ursprünglich alleine zur Absicherung aggressiver Hunde. Es sollte also vermieden werden, dass es zu Beißverletzungen kommt. Daher hat er wohl auch seinen schlechten Ruf, denn nur Hunde mit unkontrollierbarem Verhalten trugen einen Maulkorb.

Mit der Zeit aber kam man jedoch auf die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche für den Maulkorb. Der Hundetrainer nutzt ihn gerne um das Verhalten eines Hundes mit Artgenossen sicher einschätzen zu können, während der Hundehalter den Maulkorb zum Üben während des Anti-Giftköder-Training nutzt.

Freiheit durch Einschränkung

Kein Hilfsmittel verschafft dem Hund mehr Freiheiten als ein Maulkorb und ist 21993039_1584676258265637_5659984015089115376_odennoch eine Einschränkung. Natürlich, denn der Hund kann sich im schlimmsten Falle nicht verteidigen. Seine wichtigsten Verteidigungswerkzeuge sind ‚hinter Gittern‘ und im Notfall nicht einsetzbar. Das muss immer berücksichtigt werden!

Kein Einsatz ohne Training

Bevor man dem Vierbeiner den Maulkorb anlegen kann, ist das einleitende Training mit dem Maulkorb ist essentiell. Die Art und Weise wie der Maulkorb eingearbeitet wird, entscheidet über die Tragequalität; also wie gerne und wie selbstverständlich der Hund den Maulkorb trägt und damit als normal akzteptiert.

Wird der Maulkorb ohne Training verwendet, hat Hund das gute Recht sich zu verweigern. Er versteht den Nutzen nicht, wird eingeschränkt und hat sich noch nicht an den Fremdkörper in seinem Gesicht gewöhnt.

Eine Einarbeitung und ein gutes Training sind also Grundvoraussetzungen für das erfolgreiche Verwenden eines Maulkorbs!

Das eigene Gefühl oder "Ist der gefährlich?"

Mit einem Hund spazieren zu gehen, der einen Maulkorb trägt, ist schon etwas sehr Spezielles. Man wird "schräg angeschaut" und ständig gefragt ob der Hund bissig sei. Das allgemeine Bild, dass alle Hunde die Maulkörbe tragen aggressiv seien, hält sich leider hartnäckig.

Gerade aber bei der Gewöhnung des Hundes an den Maulkorb, spielen die eigenen Gefühle und die eigene Einstellung eine große Rolle. Stehe ich hinter der Sache, kann ich auch authentisch sein und meinem Hund die Sache vermitteln. Hunde merken sofort wenn der Mensch sich innerlich sträubt und übertragen die Stimmung des Menschen auf sich selbst. Das macht das Training unnötig schwer.

Die wichtigste Frage, die man sich im Zusammenhang mit einem Maulkorb stellen sollte ist: Kann das Leben des Hundes dadurch verbessert werden? In manchen Fällen ist das Tragen des Maulkorbes unter Umständen auch nur temporär erforderlich.

Ein Meer an Lebensqualität 

In unserer Tagesstätte zum Beispiel haben wir auch zwei Gäste, die einen Maulkorb tragen. Nein, es sind keine "reißenden Bestien" - die Damen zeigen schlicht, selten und situativ ein unangemessenes Sozialverhalten im Umgang mit bestimmten Artgenossen. Damit es hierbei nicht zu einer Kitsch im Ohr kommt, haben wir uns IMG_5879dazu entschlossen, die Hunde abzusichern.
Unsere Lady zum Beispiel hat durch den Maulkorb, in unserer Hundetagesstätte, deutlich an Lebensqualität gewonnen!

Wir können jetzt wieder Situationen laufen lassen, die wir zuvor, mitunter auch vorschnell, unterbrochen haben.
Und siehe da, Lady ist nun wie wir, ebenfalls wieder selbstsicherer, geht ohne Aggression in die Kontakte hinein und auch wieder hinaus 😉 Das unangemessene Sozialverhalten hat sich deutlich, in den letzten Wochen gar auf Null, reduziert. 

Das Lady den Maulkorb so gut akzeptiert und als normal empfindet, hat sie einer guten und intensiven Einarbeitung ihrer Besitzer zu verdanken. Uns war es sehr wichtig, dass der Hund sich mit Maulkorb genauso wohl fühlt wie ohne, und außerdem alle wichtigen Verhaltensweisen zeigt wie zum Beispiel Spielen, entspanntes Schlafen, und Trinken.

Aufgrund unserer Erfahrungen mit Lady geben wir auch verhaltensorginellen, grundsätzlich aber sozial verträglichen Hunden eine Chance in der Hundegruppe.

Schnelldurchlauf zur Einarbeitung des Maulkorbs

(Dies soll als grobe Übersicht dienen und kann kein intensives Einarbeiten ersetzen, wenn Sie unsicher sind, wenden Sie sich zur Unterstützung an eine gute Hundeschule)

Schritt 1: Den Maulkorb mit Leberwurst beschmieren und dem Hund hinhalten. Der Hund soll erst einmal nur die Schnauze in den Maulkorb stecken und lernen, dass es hier immer die leckersten Dinge gibt.
Im 1. Schritt wird weder der Maulkorb geschlossen noch aktiv über die Schnauze gezogen. Ist es dem Hund unangenehm oder wird er hektisch kommt der Maulkorb weg, passen Sie einen entspannten Zeitpunkt ab und versuchen Sie es erneut.

Schritt 2: Hat man Schritt 1 mehrere Tage geübt, kann man dazu übergehen den Maulkorb mit Leberwurst zu beschmieren und dem Hund länger auf der Schnauze liegen zu lassen, auch wenn die Leberwurst schon längst aufgeschleckt ist. Ist der Hund dabei entspannt, kann man den Maulkorb für einen kurzen Moment schließen. Auch hier gilt: Ist es dem Hund unangenehm oder wird er hektisch kommt der Maulkorb ab.

Schritt 3: Die Zeitspanne, in der der Maulkorb nun geschlossen getragen wird, kann in diesem letzten Schritt immer weiter verlängert werden. Nun hat der Hund gelernt, den Maulkorb nicht mehr als Fremdkörper zu betrachten.

Copyright Hinweis:
Die Verwendung und Weitergabe dieses Artikels ist nur mit ausdrücklicher Nennung der Quelle gestattet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.