Netter Mann zum gemütlichen Beisammen-Sein gesucht

Jan 21st, 2010 Posted in Hundetagesstätte | No comments

Hilfe, in unserer Huta herrscht Weiberüberschuss.

"Auf drei wünschen wir uns einen netten Rüden"

"Auf drei wünschen wir uns einen netten Rüden"

Woran mag das liegen? Wenn wir mit unseren Hunden spazieren gehen, treffen wir ein buntes Gemisch an Rassen, Mischlingen und Geschlechtern. Tatsächlich sind aber 90 Prozent unserer Tagesgäste Mädels. Die vierbeinigen Mädels unserer Tagesstätte freuen sich daher über neue männliche Gäste, auch wenn wir persönlich finden, dass Frauengespräche die interessanteren sind ;-)

Calming Signals – Beschwichtigung auf Teufel komm raus

Okt 3rd, 2009 Posted in Hundeschule | No comments

Von Angela Weber, Zuerst erschienen im „Hundemagazin WUFF“, Ausgabe 02-07, Überarbeitet im August 2008

Seit der Veröffentlichung von Turid Rugaas´ Buch, 2001 in Deutschland, dreht sich die Hundewelt um das Thema Beschwichtigungssignale. Der ein oder andere Hundehalter unterliegt vielleicht sogar dem Irrglauben, bei den Beschwichtigungssignalen handele es sich um eine neuartige, revolutionäre Erziehungsmethode. Dabei stellen diese Signale tatsächlich nur eine kleine Anzahl von Elementen aus dem Bereich des hundlichen Ausdrucksverhaltens dar. Tatsächlich sind sie auch nicht von Turid Rugaas zuerst entdeckt und beschrieben worden. Genau genommen sind die Beschwichtigungssignale sogar ein recht „alter Hut”. Sie wurden bereits von zahlreichen Biologen und Verhaltensforschern (z.B. Konrad Lorenz, Erik Zimen, Klaus Immelmann) beobachtet und beschrieben.

Was sind Beschwichtigungssignale?

Beschwichtigende Signale sind nach allgemeingültiger Definition solche, die das aggressive Verhalten des Gegenübers abzumildern oder zu verhindern versuchen.
Beschwichtigungssignale, die das friedliche Zusammenleben in einer Hundegruppe sichern sollen, werden übrigens nicht nur von Caniden gezeigt. Auch andere Tierarten bedienen sich dieser aggressionshemmenden Signale, um Konflikte zu vermeiden.

Hunde reden nicht? – falsch gedacht!

Die Kenntnisse um das Ausdrucksverhalten der Hunde sind für den Hundehalter von großem Vorteil. Wie viel einfacher gestaltet sich das Zusammenleben mit dem Hund, wenn wir in der Lage sind, dessen Körpersprache richtig zu interpretieren. Die Beschwichtigungssignale sind dabei sicher ein wichtiger Aspekt der vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Hunde, dem wir Beachtung schenken sollten.
Die beschwichtigenden Gesten, die ein Hund sendet, erinnern häufig stark an demütiges oder welpenartiges Verhalten. Hierzu zählt beispielsweise das „Pföteln” oder der „Schnauzenstoß”.

Turid Rugaas beschreibt in ihrem Buch „Calming Signals“, Hunde setzten beschwichtigende Signale auch bei Stress und Unruhe sowie bei Nervosität und lauten Geräuschen ein. Diese These ist so sicher nicht richtig. Wir erinnern uns daran, dass Beschwichtigungssignale allein gezeigt werden, um aggressives Verhalten abzumildern oder zu beenden. Sicherlich kann sich ein Hund in einer stressbelasteten Situation auch einmal bedroht fühlen, doch häufig fehlt an dieser Stelle ein Aggressor, an den er eine Beschwichtigungsgeste richten könnte.

Sendet ein Hund also tatsächlich in erster Linie Beschwichtigungssignale aus, wenn er Stress hat?
Nein. In vielen der von Rugaas beschriebenen Situationen zeigen die Hunde offensichtlich keine Beschwichtigungsgesten, sondern vielmehr aus Stress heraus resultierende Übersprungshandlungen. Mit einfachen Worten ausgedrückt, versetzt die Stressreaktion den Organismus in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit. Dem Hund steht dementsprechend ein vielfaches an Energie zur Verfügung, die ihn in die Lage versetzt zum Beispiel schnell zu fliehen oder auch anzugreifen. Kann sich der Hund weder für das eine noch das andere entscheiden, ist es möglich, dass er eine Übersprungshandlung, wie zum Beispiel „Gähnen“ oder „Harn absetzen“ zeigt. Übersprungshandlungen werden also von Tieren mit zwei widerstrebenden Reizen in einer Stress- oder Konfliktsituation gezeigt. Dabei hilft das Ausführen einer Übersprungshandlung dem betreffenden Tier Stress abzubauen und sich in einer bedrohlichen Situation etwas zu entspannen.

In der kürzlich veröffentlichten Diplomarbeit „Die Beschwichtigungssignale der Hunde – Untersuchung ausgewählter Signale in einer freilebenden Hundegruppe“ hat Mira Meyer eine Reihe von Signalen auf ihren beschwichtigenden Charakter hin untersucht. Anhand ihrer Ergebnisse kommt sie zu dem Schluss, dass sehr viele der von Turid Rugaas beschriebenen „Beschwichtigungssignale“ tatsächlich keinen beschwichtigenden Charakter haben. Interessant wären an dieser Stelle jedoch weitergehende Untersuchungen, auch an verschiedenen Hundegruppen, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Wer zeigt Beschwichtigungssignale?

Beschwichtigende Signale werden immer von unten nach oben gezeigt (Bloch, Vortrag, 2007). Also von rangniedrig nach ranghoch. Der beschwichtigende Hund versteckt alle offensiven Waffen, wie zum Beispiel seine Zähne, und versucht unscheinbar zu wirken (Meyer 2006). Damit signalisiert er seine Ungefährlichkeit und ferner, dass er keine wie auch immer gearteten Ansprüche an sein Gegenüber stellt. Beschwichtigungssignale werden nicht nur Artgenossen sondern auch uns Menschen gegenüber gezeigt. Doch leider werden diese Signale von uns oft nicht als solche erkannt. Häufiger noch werden sie fehlinterpretiert und dem Hund im schlechtesten Fall als Ungehorsam ausgelegt.

Gähnen – kein Beschwichtigungssignal?

Da Turid Rugaas diesem Signal eine außerordentlich hohe Bedeutung beimisst, will ich an dieser Stelle etwas ausführlicher darauf eingehen. Eines vorweg: Ich konnte während meiner Arbeit als Tierheimleiterin sowie meiner nebenberuflichen Tätigkeit für die Fernsehsendung „Tiere suchen ein Zuhause” und auch als Hundetrainerin bereits reichlich Hundebegegnungen und Interaktionen beobachten. Dass Gähnen dabei jedoch ein aggressionshemmendes Signal darstellen soll, kann ich aus meiner Beobachtung heraus nicht bestätigen. Auch Mira Meyer kritisiert in ihrer benannten Diplomarbeit anhand eigener Untersuchungen den angeblich beschwichtigenden Charakter dieses „Signals”. Die von ihr beobachteten Hunde der freilebenden Gruppe zeigten das „Gähnen” ausschließlich in nicht konfliktträchtigen Situationen, beziehungsweise meistens dann, wenn sie alleine waren.
Ich schließe mich der Ansicht an, dass Gähnen kein Beschwichtigungssignal darstellt, aber ich glaube auch nicht, dass es ausschließlich um seiner selbst willen, also etwa im Falle von Müdigkeit, gezeigt wird. Ich konnte häufig Hunde beobachten, die entweder in Gegenwart anderer Hunde oder Menschen in übertriebener Deutlichkeit geräuschvoll gähnten. Dabei handelte es sich oft um Situationen, in denen der gähnende Hund starkem Stress ausgesetzt war, so dass sich schlussfolgernd ergibt, dass es sich beim Gähnen vielmehr um eine Übersprungshandlung handelt, die damit dem Abbau von Stress und Anspannung dient.
Beschwichtigungssignale und Übersprungshandlungen auseinander zu halten, fällt insbesondere ungeübten Hundehaltern oft schwer. Auch lässt sich hundliches Verhalten nicht allein aufteilen in Beschwichtigungs- und Übersprungsverhalten.

Für den Hundebesitzer ist es daher nicht nur sinnvoll sondern im freundlichen, partnerschaftlichen Umgang mit seinem Tier unabdingbare Pflicht, sich einen Überblick über das gesamte Repertoire hundlichen Ausdrucksverhaltens zu verschaffen und damit seinem Hund die Möglichkeit zu schaffen, sich ihm gegenüber verständlich zu machen. Mit dem Wissen allein um die Beschwichtigungssignale haben wir leider kein adäquates Werkzeug in der Hand, um unseren Hund in seiner Vielfältigkeit zu verstehen, insbesondere weil, wie bereits gesagt, vermeintlich beschwichtigendes Verhalten in vielen Fällen etwas ganz anderes ausdrückt.

Betrachten wir zum Schluss noch einmal das „Lächeln”. Eine im Zusammenleben mit Menschen erlernte Verhaltensweise. Hierbei wird ein zufällig gezeigtes Verhalten von uns bewusst oder unbewusst verstärkt und dessen Auftrittswahrscheinlichkeit damit erhöht. Einer meiner eigenen vier Hunde, Charlie, hat dadurch das „Lächeln” erlernt. Ich will nicht in Abrede stellen, dass „Lächeln” vielleicht auch beschwichtigenden Charakter haben kann, ich weiß es nicht. Aber im Fall von Charlie ist es eindeutig erlerntes Verhalten, das in keiner Weise der Abmilderung von Aggression dient. Davon abgesehen hat er es noch nie Artgenossen gegenüber gezeigt, sondern immer nur in Gegenwart menschlicher Sozialpartner. Dabei hat sein „Lächeln” einen stark auffordernden Charakter, von dem ich mich, ich gebe es offen zu, gerne anstecken lasse.

Bekannte Beschwichtigungssignale

Die folgende Aufzählung stellt einen kleinen Auszug bekannter Beschwichtigungssignale dar.

Über die Schnauze lecken oder auch Licking Intentions
Der Beschwichtigende leckt einem anderen Hund die Schnauze. Dieses Lecken kann auch ungerichtet auftreten, also ins Leere gehen bzw. die eigene Schnauze betreffen. Dieses Verhalten wird immer nur sehr kurz gezeigt.

Geduckte Haltung oder auch Sich klein machen
Oft zu beobachten bei Hundebegegnungen. Der Beschwichtigende duckt sich, macht sich klein, dabei kann er auch weiterhin auf den anderen Hund zugehen.
Viele Hundebesitzer interpretieren dieses Signal vollkommen falsch, indem sie annehmen, ihr Hund lauere dem anderen auf und/oder gehe gleich zum Angriff über.

Auf den Rücken legen
Auch Demutsgeste, aktive Unterwerfung, sie dient nach Zimen der freundlichen Integration ins Rudel. Dieses Verhalten kann auch bei Hundebegegnungen gezeigt werden, oft als Steigerung der geduckten Haltung.

Pföteln
Die rechte oder linke Vorderpfote wird, im Handgelenk abgeknickt und in Richtung des Partners hochgehalten. Dieses Verhalten wird auch spielerisch dem Menschen gegenüber gezeigt und hat hier einen stark auffordernden, um soziale Integration „bettelnden“ Charakter.

Schnauzenkontakt/ Schnauzenstoß
Im Zusammenhang mit geduckter Körperhaltung. Es wird mit der Schnauze gegen den Mundwinkel des zu beschwichtigenden Partners gestupst, dabei kann der Mundwinkel auch geleckt (Licking Intentions) werden. Diese Geste wird eher unter Tieren gezeigt, die einander kennen.

Vermeidung von Blickkontakt
Unterlegenheitsgeste. Der beschwichtigende Hund wendet den Blick ab, vermeidet Augenkontakt.

Wegdrehen
Der beschwichtigende Hund dreht dem Gegenüber das Hinterteil zu, damit werden Signale für eventuelle aggressive Handlungen abgeblockt.

Quellennachweis:

Abrantes, Roger: Hundeverhalten von A – Z, 2005
Feddersen-Petersen, Dorit: Hundepsychologie, Sozialverhalten und Wesen
Emotionen und Individualität, 2004
Hallgren, Anders: Lehrbuch der Hundesprache,1986
Meyer, Mira: Die Beschwichtigungssignale der Hunde, Untersuchung ausgewählter
Signale in einer freilebenden Hundegruppe, 2006
Rugaas, Turid: Calming Signals, Die Beschwichtigungssignale der Hunde, 2001
Zimen, Erik: Der Wolf, 1978